Gedenkt der Gefangenen, als ob ihr mitgefangen wäret
Gedenkt der Gefangenen, als ob ihr mitgefangen wäret, der Misshandelten als solche, die gleichfalls noch im Leibe sind.
Christsein ist in vielen Teilen der Welt sehr gefährlich, noch nie gab es so viele christliche Märtyrer wie heute. Auch in Deutschland gab es Zeiten, wo Christsein etwas gekostet hat, die Schulbildung, den Berufswunsch, das Ansehen, die Freiheit, das Leben. Im Moment haben wir eine Atempause, wir leben frei und können uns ohne Angst als Gemeinde, als Christen treffen, dafür können wir sehr dankbar sein.
Wir wissen aber nicht, ob das so bleiben wird, denn was Paulus in 2. Timotheus 3, 12 schreibt, „Alle aber, die gottselig leben wollen in Christus Jesus, werden verfolgt werden.“ gilt allen, die an Jesus glauben. Umso wichtiger, dass wir die gegenwärtige Zeit nutzen, nicht, um seicht und träge zu sein (oder sollte man sagen: nicht noch seichter und träger), sondern fester im Glauben zu werden, bibelfester, Jesus treuer, um möglichen Verfolgungen, in welcher Form auch immer, gewappnet zu sein und an die zu denken, denen es jetzt anders geht, die Ungemach leiden, einfach, weil sie zu Jesus gehören.
Und das hat einen Grund. Als Mitgefangene steht da, kein Christ lebt für sich allein, wir sind miteinander verbunden im Leib Christi.
Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit (1. Korinther 12, 26). Und da wir noch in unserem irdischen Körper leben, ist es möglich, dasselbe Schicksal zu erleben. Leider ist es oft so: aus den Augen, aus dem Sinn. Wir nutzen die Freiheit, „christliche Events“ zu feiern und haben keine Ahnung, wie es der weltweiten Gemeinde in der Verfolgung geht.
Gedenkt, denkt an, es soll uns nicht gleichgültig sein, was Christen erleiden müssen, und das meint nicht nur, sich zu informieren, aber das wäre schon wichtig, um konkret zu wissen, was nötig ist. Paulus, der selbst oft gefangen war, gibt einige Hinweise wie das „Gedenken“ aussehen kann: wir sollen für die Gefangenen beten, dass sie trotz der Ketten den Mut haben, von Jesus reden (Epheser 6, 19-20), sicher auch dafür zu beten, dass ihre Peiniger zu Jesus finden und aufhören zu misshandeln. Wir sollen notwendige Dinge diesen Christen zukommen lassen, was ihrem Mangel abhilft (vgl. Philipper 4, 10-16) und, so hat es auch Jesus in Matthäus 25 gesagt, Gefangene in ihrer Trübsal besuchen, sie sollen merken, sie sind nicht allein. Paulus wusste, wie schmerzlich es ist, von allen verlassen zu sein (2. Timotheus 4, 16).
Wir haben einen Gott und Herrn,
sind eines Leibes Glieder;
drum diene deinem Nächsten gern;
denn wir sind alle Brüder.
Gott schuf die Welt nicht bloß für mich;
mein Nächster ist sein Kind, wie ich.
(EG 412)